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Veröffentlicht am 21.04.2017 von Johannes R. Buch

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Samy Deluxe

Egomanie erweist sich im Rap-Game nicht unbedingt als Karrierehindernis. „Cool as Fuck“ bezeichnet sich Samy Deluxe selbst. Mit dem selbstgezimmerten Thron macht sich der Hamburger Rapper aber nicht nur Freunde im Business.

Aufstieg

An der Tagesordnung des Rappers stehen Sell Out-Vorwürfe. Den Rapper selbst, der zu den kommerziell erfolgreichsten Rappern Deutschlands gehört, juckt das nur wenig. Mit der Maxi „Hab Gehört“ reagiert Samy Deluxe auf sämtliche Gerüchte um seine Person. Fazit: „Die meisten Leute labern zu viel Scheiße“. Samy Sorge wird am 19. Dezember 1977 als Sohn einer deutschen Mutter geboren. Sein aus Sudan stammender Vater verlässt die Familie als Samy zwei Jahre alt ist. Als die Familie gegen den Willen Samys von Barmbeck nach Hamburg Eppendorf umzieht findet dieser Zuflucht in der Musik. Beeinflusst vom amerikanischen Hip-Hop schreibt er eigene Texte und entwickelt früh ein Talent für aggressiven Freestyle-Rap. Dabei verwendet er Metaphern und komplexe Reimstrukturen.

Das macht ihn später zur fixen Größe der deutschen Hip-Hop-Landschaft. Zunächst ist Samy Deluxe mit No Nonsens aktiv. Features für andere Hip-Hop-Crews wie Freundeskreis, Eins Zwo, Ferrix MC, den Beginnern und Fünf Sterne Deluxe festigen seinen Ruf. Mit Tropf und DJ Dynamite schließt sich Samy zu Dynamite Deluxe zusammen. Auf Eimsbush Records veröffentlicht das Trio „Deluxe Soundsystem“. Samy Deluxe´ Solodebüt folgt im Jahr 2001. Für den Flow erntet Samy Deluxe Lob, nicht so hingegen für seine Texte und die Beats. Der Song „Hab Gehört“ schließt mit einem amüsanten Juice-Diss, der in der Beziehung zwischen Samy Deluxe und dem Hip-Hop-Magazin noch lange nachwirkt.

Die Single „Weck Mich Auf“ kann sich mehrere Wochen in den Media-Control-Charts halten, erntet Gold, einen Echo und einen MTV-Award. Auf seinem Debütalbum „Samy Deluxe“ überwiegen, wie schon bei „Deluxe Soundsystem“, selbstbezogene Battle-Styles, in denen sich der Rapper als der Beste, Größte und Bekiffteste glorifiziert. Das mag den einen oder anderen Hörer auch nerven. Mit DJ Tomekk gerät Samy Deluxe schon bald öffentlichkeitswirksam in die Haare. Nach Kollaborationen mit KC Da Rookee, D-Flame und DJ Desue und gemeinsamer Arbeit am afro-deutschen Projekt „Brothers Keepers“ heben Afrob und Samy Deluxe ASD aus der Taufe.

Wer hätte das gedacht?

2003 erscheint das Album „Wer hätte das gedacht?“ zusammen mit Afrob. Der Sound basiert größtenteils auf amerikanische Beats. Doch tuen sich schon bald Differenzen zwischen Afrob und Samy Deluxe auf. 2003 gründet Samy auch sein eigenes Label Deluxe Records, mit einer eigenen Unterabteilung namens Hamburgs Finest, die sich dem Vertrieb von Mixtapes via Internet widmet. Auf „Hamburgs Finest Vol. 1“ erscheint zur Verwunderung vieler ein Freestyle von Kool Savas. Im August 2004 erscheint Samys zweites Soloalbum „Verdammtnochmal“, auf dem deutsche sowie amerikanische Produzenten für die Beats sorgten. In den Hamburger Docks feiert Samy Deluxe am 19. Juni 2005 sein zehnjähriges Bühnenjubileum zusammen mit den Beginnern, Dendemann, den Stieber Twins und Kool Savas.

Im November erscheint „Deluxe Records – Let´s Go“ und markiert einen gelungenen Startschuss für Samys junges Label. Mitte 2007 kommen die ersten Gerüchte einer Dynamite Deluxe-Reunion auf. 2008 erscheint tatsächlich ein Album, auf dem sich das Trio nach sieben Jahre Pause wiedervereint. 2009, wieder solo, veröffentlicht Samy Deluxe „Dis Wo Ich Herkomm“. Auf diesem Album setzt Samy Deluxe auf Persönliches, Gesang- und Reggae-Grooves. Sein Rap-Stil erscheint zwar mittlerweile überholt, aber die Art wie Samy Deluxe auf die Style-Diktate kackt, machen ihn „Cool As Fuck“. Seine Fans wünschen sich trotzdem den „alten Samy“ zurück. Darauf folgt 2011 die „Schwarzweiss“- Platte, auf dem sich auch der Hit „Poesiealbum“ befindet. Die Platte kann sich 15 Wochen auf Platz 1 der deutschen Charts behaupten.

Wegen schwerer Depressionen verfällt Samy Deluxe in sein Alter Ego Herr Sorge zurück und veröffentlicht „Verschwörungstheorien Mit Schönen Melodien“. Neben gewöhnungsbedürftigen Bühnen-Outfits legt auch der Sound eine 180-Grad Wendung hin. Auf der Platte erklingen Autotune-Hooklines, wummernde Synthies und teilweise politik- und gesellschaftskritische Lyrics. Seine Fans zeigen sich von dem Album wenig begeistert. Für sein nächstes Album verspricht Samy Deluxe „das Männlichste, was Deutschrap je zu hören bekam. Extrem hoher Punchline-Faktor“. Auf der „Männlich“ – LP dominieren laut Kritikern aber Zweckreime und belanglos zusammengesetzte Zeilen. Anyway: Mal tiefenentspannt, dann wieder typisch arrogant und Raps in Doubletime – Samy Deluxe hat seinen Flow noch lange nicht verloren.

photocredit: By EMI Music Germany GmbH & Co.KG [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

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